20.11.2013

„Auch 2020 muss der Verband noch leistungsfähig und gesund sein“

Die Hauptversammlung hat eine Anpassung des Mitgliedsbeitrags beschlossen. Warum das notwendig war und wie wirtschaftliche und politische Schlagkraft zusammenhängen, erläutert der Schatzmeister, Oberstleutnant Stephan Zier, im Interview.

Die Bundeswehr: Über welche Beträge reden wir?

Zier: Die Anpassung für alle Mitglieder unseres Verbandes beträgt ab dem 1. April 2014 1,50 Euro im Monat. Aktive Soldaten zahlen einen Euro mehr, erhalten dafür aber auch den Versicherungsschutz einer Diensthaftpflichtversicherung. Gut zwei Jahre später folgt zum Juli 2016 eine weitere Anpassung um einen Euro für alle Vollbeitragszahler.

Die Bundeswehr: Wie notwendig war dieser Beschluss des höchsten DBwV-Gremiums?

Zier: Er war unumgänglich. Unsere Mitglieder erwarten einen immer größeren individuellen Service. Zugleich macht die allgemeine Kostenentwicklung auch vor unserem Verband nicht Halt. Ein gesundes wirtschaftliches Fundament ist aber die Voraussetzung für die unabhängige politische Handlungs- und Kampagnenfähigkeit. Nur wegen dieser Handlungsfreiheit war es gerade in der jüngsten Vergangenheit möglich, für die Menschen in der Bundeswehr finanziell spürbare Erfolge zu erstreiten, die ein Mehrfaches des Erhöhungsbetrags für die allermeisten Mitglieder ausmachen.

Die Bundeswehr: Können Sie Beispiele nennen?

Zier: Kein Problem. In Sachen Service möchte ich die Rechtsberatung der Mitglieder durch unsere Experten nennen. Im Jahr 2013 summiert sich die Zahl der Anfragen per Telefon und E-Mail bis jetzt auf mehr als 75.000. In 2.000 Fällen hat der Verband in diesem einen Jahr Rechtsschutz gegeben. Auch die Unterstützung der Personalvertreter hat beachtliche Dimensionen: Rund 5.000 Mal hat die entsprechende Abteilung juristisch fundierten Rat und Beistand gewährt. Was die Kampagnenfähigkeit angeht, sei nur die Postkartenaktion zur Sonderzahlung - landläufig Weihnachtsgeld genannt - in Verbindung mit der Aktion „Ihr seid verantwortlich“ erwähnt. Das hat uns ohne Personalkosten rund 230.000 Euro gekostet – aber auch allen Bundesbeamten, aktiven und ehemaligen Soldaten ein faktisches Einkommensplus von rund 2,5 Prozent eingebracht.

Die Bundeswehr: Dennoch könnte man meinen, dass die Anpassung im Vergleich zu den vergangenen Jahren deutlich ausfällt...

Zier: Ja, es ist richtig, dass wir in den letzten 20 Jahren eine Erhöhung von insgesamt lediglich 2,40 Euro hatten. Die jeweiligen Bundesvorstände haben die Erhöhung des Aufwands stets durch Einsparungen, Effizienzsteigerungen, Nutzung von Rücklagen oder auch Zurückstellen von Investitionen auszugleichen versucht. Aber die Schere zwischen den notwendigen Leistungen für die Mitglieder und den Kosten ist durch solche Maßnahmen nicht länger verantwortbar zu schließen. Der Bundesvorstand hat sich seine Entscheidung nicht leicht gemacht. Grundsätzlich wollen wir nämlich bei unserer zurückhaltenden Beitragspolitik bleiben.

Die Bundeswehr: Welchen Anteil hat die Bundeswehrreform am besagten Auseinandergehen der Schere Leistungen – Aufwand?

Zier: Einen großen. Zwar ist der Organisationsgrad unseres Verbandes in der Bundeswehr sehr hoch und wächst noch. Aber die signifikante Verkleinerung der Bundeswehr hat natürlich spürbare Auswirkungen auf den Mitgliederbestand. Zugleich wachsen die Probleme für die Menschen in der Bundeswehr. Sie brauchen – siehe die erwähnte Zahl der Beratungen – einen starken Interessenvertreter und nehmen ihn entsprechend immer häufiger in Anspruch.

Die Bundeswehr: Wie kamen Sie auf die Diensthaftpflichtversicherung als automatischer Bonus für die aktiven Soldaten?

Zier: Nur etwa 30.000 Soldatinnen und Soldaten verfügen über eine solche Versicherung. Die Realität des täglichen Dienstes und der Beratungsleistung für unsere Mitglieder zeigt, dass eine solche Versicherung dringend notwendig ist. Viel zu viele Soldaten schätzen ihre Haftungsrisiken, die bis zum persönlichen Ruin führen können, falsch ein. Mit der Mitgliedschaft im Verband wird künftig jeder Soldat automatisch davor geschützt. Übrigens: Normalerweise kostet diese Versicherung zwischen 54 und 128 Euro im Jahr, abhängig vom Dienstgrad.

Die Bundeswehr: Was haben die Ehemaligen von ihrem Beitragsplus?

Zier: Auch die Ehemaligen sind Nutznießer unserer verbandspolitischen Erfolge, siehe die schon erwähnte Sonderzahlung. Mit unserem Kampf um kürzere Beihilfebearbeitungszeiten haben wir zudem gezeigt, dass wir auch für die speziellen Interessen unserer Ehemaligen erfolgreich eintreten. Wichtig ist aber noch eins: Die Ehemaligen sind die Basis unseres Vereinslebens und finden in unserer Kameradschaftsorganisation eine "militärische" Heimat. Die Bundeswehr ist in der Fläche unseres Landes kaum noch präsent. Wir schon!

Die Bundeswehr: Ist der Verband mit den jetzt beschlossenen Maßnahmen gut aufgestellt?

Zier: Das ist er. Auch 2020 muss unser Verband noch leistungsfähig und wirtschaftlich gesund sein. Und diese Maßnahmen sorgen dafür, dass er zukunftssicher, kampagnenfähig und servicefreundlich bleibt. Wir haben dadurch ausreichende strategische Reserven, können strukturelle Änderungen vornehmen (falls notwendig), unser politisches Gewicht weiter in die Waagschale werfen und unseren Mitgliedern den gewohnten umfassenden Beistand bieten.

Die Bundeswehr: Vielen Dank, Herr Zier!