Zu seinem Talk hatte Markus Lanz (l.) neben Oberst André Wüstner (2.v.r.) die Grünen-Co-Vorsitzende Katharina Dröge (2.v.l.), die FAZ-Journalistin Julia Löhr und den Politikwissenschaftler Wolfgang Merkel eingeladen. Foto: Cornelia Lehmann

Zu seinem Talk hatte Markus Lanz (l.) neben Oberst André Wüstner (2.v.r.) die Grünen-Co-Vorsitzende Katharina Dröge (2.v.l.), die FAZ-Journalistin Julia Löhr und den Politikwissenschaftler Wolfgang Merkel eingeladen. Foto: Cornelia Lehmann

04.04.2025
DBwV

Oberst Wüstner bei Markus Lanz: Freiheit ist mehr als Konsumfreiheit!

Hätte die Sendung von Markus Lanz am Donnerstag ein Motto gehabt, es hätte wahrscheinlich gelautet: Das Beste kommt zum Schluss… Das galt jedenfalls für alle, die wissen wollten, wie Oberst André Wüstner die aktuelle Lage einschätzt – und deshalb einen langen Abend vor dem Fernseher verbrachten. Für sie hieß es: abwarten. Denn zunächst ging es um die Performance der Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge, um Grundgesetzänderungen, um Haltungsnoten für Friedrich Merz – alles Themen, zu denen sich ein Soldat in Uniform tunlichst nicht öffentlich äußert. Doch die zweite Hälfte der Sendung entschädigte für das Warten. Da ging es um den Zustand der Bundeswehr, um die Frage, was es bedeutet, Soldat zu sein. Und weshalb Freiheit mehr als Konsumfreiheit ist.
 
Eindrucksvoll beschrieb Oberst Wüstner die enorme Lücke zwischen politischem Anspruch und der Wirklichkeit in der Bundeswehr. Trotz aller Anstrengungen von Verteidigungsminister Boris Pistorius und etlicher bereits getroffener Entscheidungen liege noch ein langer, harter Weg vor der Bundeswehr, die nächste Regierungskoalition müsse umgehend Vollgas geben. Die Situation beim Material sei teils schlechter als vor Beginn des Ukraine-Krieges (und der Zeitenwende). So benötige das Heer rund 1000 Tankfahrzeuge – vorhanden seien lediglich 70. Dies reiche gerade für die Ausstattung einer Brigade. Ein weiteres Beispiel sei die Flugabwehr, eine wesentliche Fähigkeit nicht nur für die seit Januar 2025 der NATO eingemeldeten 10. Panzerdivision. Zwar seien „Skyranger“-Flugabwehrsysteme bestellt – jedoch nur 19 Stück bei einem Gesamtbedarf von mindestens 200.

Der wichtigste Aspekt sei aber dennoch das Thema Personal. Wüstner: „Wir können die Defizite bei Infrastruktur und Material einfacher bewältigen als die enorme Herausforderung bei der Personalgewinnung und -bindung. Die strategische Herausforderung ist daher die personelle Aufwuchsfähigkeit unserer Streitkräfte.“ Unverzichtbar für deren Bewältigung sei die Frage der Wehrform. Niemandem sei damit gedient, wenn die Bundeswehr zwar eines Tages neue Fregatten oder U-Boote hätte, aber keine Menschen, die damit in See stechen.
 
Der Bundesvorsitzende sieht Politik in der Pflicht, immer wieder deutlich zu erklären, dass die Wehrpflicht nicht automatisch zu einem Krieg führt, sondern im Gegenteil durch Abschreckung Kriege verhindert. Daran zu erinnern, dass gemäß Grundgesetz niemand zum Dienst an der Waffe gezwungen werden kann. Und aufzuzeigen, dass die Bundeswehr überhaupt nicht die Kapazitäten hätte, um von jetzt auf gleich einen gesamten Geburtsjahrgang aufzunehmen. „Es geht in vielmehr um den gesetzlichen Rahmen für die Erfassung, Musterung und, bei Bedarf, den Einzug von jungen Wehrpflichtigen“, so Wüstner.
 
Weil aber Menschen und ihre Schicksale immer eindringlicher und emotionaler sind als Zahlen und nackte Fakten, sprach Markus Lanz den Bundesvorsitzenden auf dessen Einsatzerfahrung an. Er erinnerte an jenen schlimmen Tag im Jahr 2005, als Oberstleutnant Armin Franz in Kabul fiel, Oberfeldwebel Tino Käßner und Hauptfeldwebel Stefan Deuschl schwer verwundet wurden. Den Tag, den auch Oberst Wüstner in seinem Leben nicht vergessen wird. Sichtlich berührt, aber gefasst schilderte er, was es heißt, am scharfen Ende des Berufs zu sein, wie es ist, wenn Menschen über sich hinauswachsen und warum es gerade angesichts solcher Erfahrungen sinnvoll ist, sich für den Dienst in der Bundeswehr zu entscheiden.

Die vollständige Sendung ist in der ZDF-Mediathek abrufbar.

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